Start Experten-Tipps Wir teilen unser Leben – aber teilen wir auch unser Geld?

Wir teilen unser Leben – aber teilen wir auch unser Geld?

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Lifestyle+ Symbolbild finanzexperten tipp

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Er arbeitet Vollzeit, sie Teilzeit. Sie bezahlt Kinder, Lebensmittel und den Alltag, er Kredit und Versicherungen und kann sparen. Ein Modell, das in vielen Familien ganz selbstverständlich entsteht. Doch wem gehört das Vermögen, das dabei aufgebaut wird?

Lisa und Michael haben zwei Kinder. Vor den Kindern arbeiteten beide Vollzeit. Nach der Karenz kehrte Lisa mit 20 Stunden in ihren Beruf zurück. Michael arbeitet weiterhin Vollzeit. Nicht weil sie beschlossen hätten: „Deine Karriere ist wichtiger als meine.“ Es hat sich einfach so ergeben.

Lisa organisiert Arzttermine, Fußballtraining und bleibt zu Hause, wenn ein Kind krank ist. Viele Alltagsausgaben bezahlt sie. Michael bezahlt Kredit und Versicherungen. Am Monatsende ist Lisas Konto ziemlich leer. Michael bleiben 1.000 Euro, 500 davon investiert er.

Eigentlich läuft es gut. Bis Lisa eines Tages feststellt: Wir haben gemeinsam ein Leben aufgebaut. Aber er baut nebenbei Vermögen auf – und ich nicht.

Ein typisch österreichisches Modell

Lisa und Michael sind erfunden. Ihre Situation ist es nicht. 2025 arbeiteten in Österreich 75,3 Prozent der erwerbstätigen Frauen zwischen 25 und 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren Teilzeit. Bei den Männern waren es 8,5 Prozent. Bei Paaren mit Kindern ist „Mann Vollzeit, Frau Teilzeit“ das häufigste Erwerbsmodell. Viel seltener ist es umgekehrt.

Das hat finanzielle Folgen. Wer weniger verdient, kann meist auch weniger sparen. Er verdient beispielsweise 3.500 Euro netto, sie aufgrund ihrer Teilzeit 1.500 Euro. Ihm bleiben monatlich 500 Euro zum Investieren, ihr 50 Euro. Nach zehn Jahren hat er – noch ohne Rendite – 60.000 Euro angespart, sie 6.000 Euro.

„Er verdient eben mehr“, könnte man sagen. Doch vielleicht kann er auch deshalb Vollzeit arbeiten, weil sie einen größeren Teil der Familienarbeit übernimmt. Dabei geht es nicht um Männer gegen Frauen. Die Statistik zeigt lediglich, dass es in Österreich derzeit überwiegend Frauen sind, die ihre Erwerbstätigkeit reduzieren.

Wir planen für die Kinder – aber auch für uns?

Wenn eine Familie gegründet wird, geht es um Eigenheim, Karenz und Kindergarten, später um Schule, Hobbys und Ausbildung. Eltern planen unglaublich viel für ihre Kinder, vergessen dabei aber oft, finanzielle Weichen für sich selbst zu stellen.

Lebensmittel sind nächste Woche aufgegessen, Kinderschuhe irgendwann zu klein. Ein Depot oder Sparguthaben bleibt. Nach 10, 15 oder 20 Jahren kann so ein beträchtlicher Vermögensunterschied entstehen. Nicht weil jemand egoistisch war, sondern weil niemand darüber nachgedacht hat.

Und später kommt die Pension

Diese finanzielle Schieflage kann bis ins Alter reichen. Wer über Jahre weniger arbeitet und verdient, kann nicht nur weniger Vermögen aufbauen, sondern erhält auch geringere Pensionsgutschriften. 2024 betrug die durchschnittliche Alterspension von Frauen in Österreich 1.563 Euro brutto monatlich, jene der Männer 2.620 Euro. Der Gender Pension Gap lag bei 40,3 Prozent.

Eltern sollten deshalb auch über das freiwillige Pensionssplitting sprechen, mit dem unter bestimmten Voraussetzungen Pensionsgutschriften zwischen den Eltern übertragen werden können.

Wem gehört das Familien-Vermögen?

Solange eine Beziehung funktioniert, stellt sich diese Frage oft gar nicht. Rechtlich ist die Situation allerdings klarer getrennt: Während der Ehe gilt in Österreich grundsätzlich Gütertrennung. Ein Depot auf seinen Namen gehört grundsätzlich ihm, ein Sparguthaben oder eine Lebensversicherung auf ihren Namen ihr.

Bei einer Scheidung werden eheliches Gebrauchsvermögen und eheliche Ersparnisse nach den gesetzlichen Regeln jedoch aufgeteilt. Dabei zählen auch Haushaltsführung sowie Pflege und Erziehung gemeinsamer Kinder als Beiträge. Eingebrachtes Vermögen, Erbschaften und Geschenke von Dritten sind grundsätzlich ausgenommen.

„Die Scheidung hat mich richtig viel Geld gekostet“

Diesen Satz hört man immer wieder von jenem Partner, der mehr verdient und Vermögen aufgebaut hat. Subjektiv kann es sich tatsächlich so anfühlen: Das Geld kam vom eigenen Gehaltskonto und nun wird ein Teil des während der Ehe entstandenen Vermögens aufgeteilt.

Was oft nicht bedacht wird: Wer hat seine Arbeitszeit reduziert, weniger verdient, vielleicht berufliche Möglichkeiten nicht wahrgenommen und mehr Familienarbeit übernommen? Wer hatte in dieser Zeit nicht einmal die Chance, Vermögen aufzubauen?

Das kann die Frau sein – oder genauso der Mann. Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern die gemeinsame Aufgabenverteilung. Bei der Aufteilung geht es deshalb nicht nur darum, wer Geld auf ein Konto überwiesen hat, sondern auch darum, was beide zum gemeinsamen Leben beigetragen haben.

Ein Finanzplan für die ganze Familie

Paare sollten sich deshalb schon bei der Familienplanung fragen: Wenn einer wegen der Kinder Teilzeit arbeitet, wie gleichen wir den geringeren Vermögensaufbau aus? Bauen wir für beide Vermögen auf? Wie viel Geld hat jeder unabhängig zur Verfügung? Was bedeutet unser Modell für die Pension? Kommt ein Pensionssplitting in Frage?

Zu einer guten Partnerschaft gehören nicht nur Liebe und Vertrauen – sondern auch finanzielle Fairness.

Sarah Hofbauer, Vermögens- und Vorsorgeberaterin, Expertin für betriebliche Veranlagung
info@sarah-hofbauer.com
www.sarah-hofbauer.com

Text: Sarah Hofbauer | Foto: mit KI erstellt

Erschienen in Lifestyle+ Ausgabe 10/2026

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